INSTROM Whitepaper BESS-PV Co-Location
Markt, Business Case, Optimierung, Integration
Dieses Whitepaper fasst die wesentlichen wirtschaftlichen und technischen Erkenntnisse zur Kombination von PV-Anlagen und einem separat vermarkteten Batteriespeicher an einem gemeinsamen Netzanschlusspunkt zusammen. Die Inhalte orientieren sich an marktüblichen Modellen und wurden für INSTROM sprachlich und strukturell neu aufbereitet. Im Fokus stehen Business Case, BESS-Optimierung, PPA-Logik und Co-Location mit gemeinsamem Netzanschluss.
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Stunden mit negativen Spotpreisen in 2025
Zum Vergleich: 301 Stunden im Jahr 2023.
<58%
Solar Capture Rate Ende 2025
Noch im Dezember 2023 lag sie bei rund 80%.
1:1:0.5
Beispiel-Dimensionierung für GCP, PV und Speicher
Etwa 20 MWp PV plus 10 MW / 20 MWh Speicher.
Hinweis: Diese Zusammenfassung dient der allgemeinen Einordnung und ersetzt keine projektbezogene rechtliche, steuerliche oder regulatorische Prüfung. Netzanschluss, Messkonzept, Stromsteuer, Entgeltstruktur und Vermarktungsmodell müssen für jedes Projekt einzeln bewertet werden.
01 Marktbild
Der Ausbau der Photovoltaik führt immer häufiger zu gleichzeitigen Einspeisespitzen in den Mittagsstunden. Genau diese Gleichzeitigkeit belastet Capture Rates, verschärft negative Preisphasen und macht reine PV-Erlösmodelle volatiler.
Ein separater Batteriespeicher am selben Netzanschlusspunkt kann diese Situation wirtschaftlich nutzbar machen. Er schafft Flexibilität, erlaubt zusätzliche Marktteilnahme und macht freie Netzkapazität monetarisierbar, die in vielen Stunden sonst ungenutzt bliebe.
Besonders interessant wird das Modell dort, wo die PV-Anlage bereits steht oder ein Projekt ohnehin mit gemeinsamer Infrastruktur entwickelt wird. Dann treffen sinkende PV-Wertigkeit und steigender Flexibilitätsbedarf unmittelbar aufeinander.
Definition des Modells
PV und Speicher teilen sich denselben Netzanschlusspunkt.
Betrieb, Vermarktung und Abrechnung bleiben voneinander getrennt.
Der Speicher lädt aus dem öffentlichen Netz und nicht exklusiv aus der PV-Anlage.
02 Business Case
Die Kombination aus PV und Speicher an einem gemeinsamen Netzanschlusspunkt schafft Wert an zwei Stellen: durch geteilte Infrastrukturkosten und durch zusätzliche Zahlungen für die Nutzung des vorhandenen Netzanschlusses. Ob das Modell im Neubau oder im Bestand umgesetzt wird, verändert nur, wie dieser Wert vertraglich aufgeteilt wird.
Bei neuen PV-Projekten kann die gemeinsam genutzte Infrastruktur in einer separaten Struktur gebündelt werden. Kabel, Übergabestation und Umspannwerk werden dann anteilig finanziert.
Der Hebel entsteht aus niedrigeren Infrastrukturkosten und aus besserer Kapitalrendite des PV-Projekts.
Bei bestehenden PV-Parks wird die freie Kapazität am Netzverknüpfungspunkt wirtschaftlich nutzbar gemacht. Der Speicherentwickler zahlt für die Mitbenutzung der vorhandenen Anbindung.
Für den PV-Standort entsteht ein zusätzlicher Erlösstrom, ohne dass die PV technisch mit dem Speicher verschmolzen werden muss.
IRR-Effekt
Die folgenden Spannweiten basieren auf dem im Fachbeitrag beschriebenen 20-MWp-Beispiel mit 10 MW / 20 MWh Speicher, unterschiedlichen CAPEX-Annahmen und mehreren Erlösszenarien.
Szenario
ca. 6% bis 24%
Je nach Speicher-CAPEX und Vermarktungsszenario sind deutliche relative IRR-Steigerungen möglich.
Szenario
ca. 0% bis 21%
In schwachen Erlösszenarien ist ein laufendes Nutzungsentgelt nicht immer darstellbar. Im Base- und Best-Case entsteht aber oft ein klarer Uplift.
Szenario
bis rund 29% relativ
In günstigen Annahmen kann Co-Location sogar den Unterschied zwischen knapp und klar wirtschaftlich ausmachen.
03 Dispatch & Vermarktung
Sobald PV und Speicher denselben Netzanschlusspunkt nutzen, wird die Optimierung zu einer Frage der knappen Netzkapazität. Ein starres Prioritätsmodell verschenkt in der Regel Erlös. Entscheidend ist, ob die nächste Batterieentscheidung mehr Wert stiftet als die gleichzeitige PV-Einspeisung.
Die PV wird nicht abgeregelt. Der Speicher reagiert nur auf den verbleibenden Netzkorridor. Das erschwert sichere Day-Ahead-Zusagen für Regelenergie und drückt das Ergebnis.
Der Speicher wird wie ein Standalone-System optimiert. Dafür muss die PV bei Bedarf zurückgenommen werden. Technisch einfach, wirtschaftlich aber häufig zu grob.
Die wirtschaftlich stärkste Logik ist ein dynamischer Dispatch. PV-Abregelung findet nur dann statt, wenn der zusätzliche Speichererlös höher ist als die entstehenden Opportunitätskosten der PV.
Praxisbild
Co-Location bleibt auch bei Restriktionen oft nah am Standalone-Erlösniveau.
Im zugrunde liegenden Beispiel bleiben die Erlösabweichungen zwischen Standalone und integriertem Speicher begrenzt. Das spricht dafür, dass der Netzanschlussvorteil die operative Komplexität wirtschaftlich häufig rechtfertigt.
Wesentliche Beobachtungen
Regelenergie in aFRR down ist tagsüber oft gut nutzbar, weil sie nicht durch PV-Einspeisung limitiert wird.
Zusagen für aFRR up werden typischerweise in Zeitfenstern mit geringeren PV-Restriktionen attraktiver.
Backtests zeigen, dass der Erlösabschlag des co-located Speichers gegenüber Standalone in vielen Fällen gering bleibt.
Bei vollständig integrierten Hybridsystemen lag die Erlösabweichung im Beispiel unter 3.5%, bei Forecast-Abweichungen grob um 4%.
04 Verträge & Dimensionierung
PPA-Modelle
Ein festes Lieferprofil erhöht zwar den erzielbaren PV-Preis, begrenzt aber die Freiheitsgrade des Speichers deutlich.
Die PV liefert zu einem festen Preis, der Speicher wird marktgetrieben vermarktet. Dieses Modell bietet den größten Upside, wenn Opportunitätskosten sauber berücksichtigt werden.
Sizing
Die Sizing-Frage ist in Co-Location-Projekten zentral, weil Netzlimit, PPA-Struktur und Regelenergiepotenzial gemeinsam wirken.
Die im Fachbeitrag beschriebenen Backtests deuten darauf hin, dass kleinere Assets tendenziell noch weniger von PV-bedingten Restriktionen betroffen sind als größere Speicher am selben GCP.
Für die Projektpraxis bedeutet das: Die Speichergröße sollte nicht isoliert aus Handelsumsatz, sondern immer im Zusammenspiel mit Curtailment-Kosten und Vertragslogik dimensioniert werden.
05 Umsetzung im Bestand
Die wirtschaftliche Logik allein reicht nicht. Bei Retrofit-Projekten entscheidet die vorhandene Infrastruktur darüber, ob Co-Location schlank umsetzbar ist oder ob zusätzliche Übergabetechnik, neue Zählpunkte und tiefere Eingriffe in die Parkregelung nötig werden.
Zu prüfen sind Umspannwerk oder Übergabestation, Mittelspannungsführung, freie Zählpunkte, Schutzkonzept und die Abstimmung mit dem Netzbetreiber.
Batteriesystem, Wechselrichter, Transformator, Mittelspannungsanbindung und Messkonzept müssen so ausgelegt werden, dass PV und Speicher sauber getrennt bilanzierbar bleiben.
Der bestehende Parkregler wird um eine zusätzliche Ebene für den Speicher ergänzt. Schnittstellen, Router, Gateways und SCADA müssen dafür kompatibel und dokumentiert sein.
Setpoint-Verteilung, Fernwirktechnik, Logging, VPN-Zugänge, Firewall-Regeln und Netzsegmentierung müssen im Hybridbetrieb getestet und abgesichert werden.
Controller-Architektur
Sie nimmt Sollwerte von Netzbetreiber oder Direktvermarkter entgegen und verteilt aktive sowie reaktive Leistungsanforderungen auf PV und Speicher.
Der bestehende Parkregler bleibt für die PV zuständig und übernimmt weiterhin die Koordination der bereits installierten Wechselrichter, Sensorik und Trafoeinheiten.
Der neue Speichercontroller steuert PCS, Lade- und Entladevorgänge sowie die Übergabe der Betriebsdaten in SCADA, Logging und Fernwirkstrecken.
06 Fazit
Ein gemeinsam genutzter Netzanschlusspunkt kann von einem Engpass zu einem Werttreiber werden.
Der wirtschaftliche Nutzen entsteht nicht nur durch Stromhandel, sondern auch durch CAPEX-Teilung und Nutzungsentgelte.
Die beste Dispatch-Logik ist kein starres Vorrangmodell, sondern eine laufende Abwägung aus Speichererlös und PV-Opportunitätskosten.
Im Bestand entscheidet die Qualität von Messkonzept, Controller-Architektur und Netzbetreiber-Abstimmung über die Umsetzbarkeit.
Wenn Sie prüfen möchten, ob ein gemeinsam genutzter Netzanschlusspunkt an Ihrem Standort für einen Batteriespeicher wirtschaftlich darstellbar ist, können Sie direkt in unseren Planer wechseln oder uns Ihren Standort schicken.